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Männerdomäne Tourismus

Gender Equality und Frauen in der Touristik

Wir haben uns mit Claudia Brözel, Professorin für Marketing und eCommerce im Tourismus, getroffen und mit ihr über Gender Equality und Frauen in der Touristik gesprochen. 

Außerdem haben wir im Büro bei Juvigo nachgefragt. Was unsere Mitarbeiterinnen und Gründer und Geschäftsführer Björn Viergutz zum Thema Gender Equality sagen, liest du am Ende des Artikels.

Claudia ist eine absolute Touristikerin, die das Thema von der Pike auf gelernt hat. Ihre Karriere begann als Hotelfachfrau im Schwarzwald und führte sie weiter ins Ausland, wo sie vornehmlich in Spanien auf den kanarischen Inseln arbeitete. 1986 begann sie ihr Diplomstudium mit 34 weiteren Studierenden (der Großteil war weiblich) zur Touristikbetriebswirtin in Heilbronn und nach fast 30 Jahren als Freelancerin, Vorständin und Projektkoordinatorin in der Branche ist sie seit 7 Jahren Professorin.

Doch wie kam das Interesse am Thema Gender Equality?

„Immer wenn ich in der Branche auf Veranstaltungen bin, fand ich es eben sehr auffällig. Ich war ja selbst in verschiedenen Führungspositionen und dabei ist mir sehr stark aufgefallen, dass die Führungspositionen meistens mit Männern besetzt sind, sodass ich schon früh angefangen habe mich damit zu beschäftigen.“

Die Gründe dafür beschreibt Claudia als vielfältig. Auf der einen Seite gibt es Punkte, die sind in den Frauen selbst. Wie werden Mädchen erzogen, welche Chancen haben sie? Auf der anderen Seite steht die Branche. Wie sieht es dort aus? In den Führungspositionen in der deutschen Touristik findet man nur Männer! „Ich war Anfang November, so wie jedes Jahr, mit meinen Studierenden auf dem Bundesverband der Tourismuswirtschaft (BTW). Den ganzen Tag, von 10 bis 18 Uhr, waren nur Männer auf der Bühne. Meinen Studierenden ist das auch sehr stark aufgefallen. Ich war mit einer Gruppe von 20 Leuten da und der Großteil der Studierenden war weiblich. Aber selbst den jungen Männern ist aufgefallen, dass das irgendwie schräg ist.“

Claudia sieht das Problem aber nicht nur in der Branche. Auf Nachfrage beim BTW, fand sie heraus, dass versucht wurde, Frauen zu bestimmten Themen auf die Bühne zu bekommen, aber keine Einzige zugesagt hat! „Frauen werden anders erzogen als Männer, da muss man am Selbstbewusstsein arbeiten.“ Hinzu kommt: Frauen bekommen Kinder! „Nach der Elternzeit wird es Frauen in abhängigen Beschäftigungen schwer gemacht, wenn sie schon eine Führungsposition hatten, diese weiterzuführen“, so Claudia Brözel. 

Handelt es sich hierbei um einen Generationsunterschied? Wird sich dieses Ungleichgewicht der Frauen in der Touristik mit der Zeit auflösen, da die „Digital Natives“ bereits etwas anders denken?

„Ich habe den Eindruck, dass da schon größere Gleichberechtigung herrscht, als es jetzt in meiner Generation der Fall ist. Aber auch in anderen Branchen: In der Musikbranche wird nicht darüber diskutiert, ob der Schlagzeuger männlich oder weiblich ist. Ich hab das Gefühl in der Reisebranche ist es in den Führungspositionen nochmal ganz anders.“  

Claudia Brözel erzählt uns, dass sie tatsächlich auch aus diesem Grund in die Lehre gegangen ist. Sie möchte mehr Frauen fördern und ihnen Selbstvertrauen mit auf den Weg geben. Bei ihren Studentinnen beobachtet sie häufig, dass sich Frauen an machen Stellen selbst nicht so viel zutrauen. Während ein Mann vor Selbstbewusstsein sprüht, der einen Vortrag hält, den er in der vergangenen Nacht vorbereitet hat, leiten Frauen ihren Vortrag, an dem sie seit drei Wochen arbeiten, mit etwas Negativem ein.

„Frauen sind oft besser vorbereitet und auch tiefer im Thema drin, schaffen es aber nicht, es nach vorne zu bringen, sondern betonen, was sie nicht können“, sagt Claudia, die diese Selbstwahrnehmung viel mit ihren Studentinnen, und natürlich auch mit den jungen Männern, diskutiert. „Auch junge Männer finden es unglaublich bescheuert, dass es in der Wirtschaft tatsächlich immer noch so ist, dass Frauen schlechter bezahlt werden und nicht in eine Führungsposition kommen. Ich glaube einfach da wächst eine andere Generation heran, in der die Männer die Frauen auch gleichwertig sehen.“ Deshalb ist es wichtig, nicht nur bei den Frauen anzusetzen und nur sie zu fördern oder gar zu bevorzugen. Wichtig ist es, ein klares Feedback zu geben und Mut zu machen. Sätze, die Claudia dafür vor allem nutzt, sind:

„Du kannst es!“
„Ich bin überzeugt davon, dass du das kannst.“

Erziehung und persönliche Förderung sind aber nur eine Stütze, um für Gleichberechtigung zu kämpfen. Auch Politik und Wirtschaft müssen ihren Teil dazu beitragen. „Ich sehe ganz klar, das habe ich jetzt auch in mehreren Studien gelesen, dass der Vater bzw. die Mutter die erste Adresse sind, wo Kinder sozialisiert werden. Dennoch ist die Politik mit Rahmenbedingungen gefordert. Ich bin ganz klar eine Vertreterin der Frauenquote in Führungspositionen, weil ich glaube, dass wir für die Übergangszeit diese Rahmenbedingungen brauchen. Ich sehe auch die Wirtschaft in der Verantwortung: Zum Beispiel mit Selbstverpflichtungserklärungen, dass Angestellte gleich behandelt werden, was den Lohn angeht.“

Neben Frauen, die in Führungspositionen aufsteigen, gibt es noch die Frauen, die selbst gründen. Doch leider viel weniger als Männer. Um genau zu sein, liegt der Anteil der Start-Up-Gründerinnen 2019 bei 15,7 Prozent (Quelle: DSM 2019). Doch woran liegt das? Haben die Frauen keine Ideen oder sind sie auch hier zu schüchtern und trauen sich eine Unternehmensgründung nicht zu? Claudia beobachtet, dass Frauen viel schlechter an Geld kommen. Denn die Geldgeber im Bereich Risikofinanzierung sind fast ausschließlich Männer. Es gibt kaum Gruppierungen von Frauen, die über das Geld verfügen und es dann auch in Start-Ups einsetzen, die von Frauen gegründet wurden. Hinzu kommen die Ideen und Geschäftsmodelle von Frauen, die möglicherweise schlechter bei Banken und Investoren ankommen.

„Es ist eine Männerwelt und die Männer haben eine andere Art zu reden, eine andere Art zu spielen. Dieser ganze Business-Talk – Frauen gehen damit anders um und deswegen haben sie vielleicht bei männlichen Investoren nicht so große Chancen.“

Um diesen Missstand aufzulösen, rät Claudia allen Frauen immer zu üben, frei zu sprechen und zu netzwerken. Auf Veranstaltungen einfach einmal machen und Menschen ansprechen, sie in ein Gespräch verwickeln und dabei selbstbewusst auftreten. Außerdem sollte man immer für sich selbst einstehen und wissen, was man Wert ist. Vor einem Bewerbungsgespräch sollte man sich also genau überlegen, welche Summe man am Ende des Monats verdienen möchte und sich nicht (zu sehr) runterhandeln lassen. Gleichzeitig kann man sich Alternativen überlegen, wenn das Unternehmen zum Beispiel noch sehr jung ist und nur wenig Spielraum in der Gestaltung des Gehalts hat. Denn die Zahl auf dem Konto ist am Ende nicht alles. Andere Benefits, die ein Unternehmen bietet, sollten immer mit einberechnet werden und oft gibt es auch dort noch eher Verhandlungsspielraum. 

Claudia, möchtest du den Frauen im Bezug auf Gleichberechtigung noch etwas mit auf den Weg geben?

„Egal an welcher Stelle man is – ob im Studium, im Praktikum oder in einem Job – ich würde jedem raten, genau dort wo er oder sie gerade steht, immer wieder aufmerksam zu beobachten und zu realisieren, wo eine Ungleichbehandlung stattfindet. Das kann man sachlich thematisieren und/oder auch entsprechend handeln. Nicht abwarten, sondern bitte in jeder Position, in der ihr seid, das sehen und dann auch euer Recht einfordern.“


Porträt Claudia Brözel

Claudia Brözel promovierte 2011 an der TU Dresden zu Internetökonomie und hat seit März 2012 die Professur für Tourismusmarketing und Management an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde im Masterstudiengang Nachhaltiges Tourismusmanagement.

Sie ist Mitgründerin des Verbandes Internet Reisevertrieb, den sie fünf Jahre lang als Präsidentin strategisch ausrichtete und führte.


Frauen bei Juvigo

Bei Juvigo arbeiten zurzeit 21 Mitarbeiter – 12 Frauen und 9 Männer! Drei Frauen von Juvigo erzählen dir hier etwas über die Arbeit bei Europas führender Buchungsplattform für Feriencamps, Jugendreisen und Sprachreisen. Außerdem erfährst du, was Gründer und Geschäftsführer Björn Viergutz zum Thema Gender Equality zu sagen hat.

Ayke Sander, Head of Marketing & Operations

Dass ich eine Frau bin, hat in meiner Laufbahn bei Juvigo nie eine Rolle gespielt. Ich wurde nie benachteiligt – auf der anderen Seite aber auch nicht bevorzugt. Hier werden alle Kollegen gleich behandelt und gute Leistungen werden belohnt, egal ob von Mann oder Frau.

Romie Bruk, Head of PR

„Bei Juvigo habe ich nicht das Gefühl, dass Geschlechter eine Rolle spielen. Was in Entscheidungen zählt, ist am Ende das bessere Argument.“

Katrin Vogel, Kundenberaterin

Als Mutter von zwei Kindern ist die Schere zwischen Familie und Karriere oft groß. Juvigo gibt mir dennoch die Chance meine Position auszuführen. Verlässlichkeit auf der einen und Verständnis auf der anderen Seite, bilden die Grundlage dafür.

Björn Viergutz, Gründer & Geschäftsführer

Als Geschäftsführer habe ich den Anspruch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fair zu bezahlen. Gute Arbeit sollte gut entlohnt werden und zwar geschlechtsunabhängig. Was zählt, sind Leistung und Qualifikation!

Geschäftsführer Björn Viergutz

Du bist auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und hast Lust auf einen Job im Bereich Jugendreise? Direkt zur Karriere bei Juvigo!

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Romie
Romie

Romie zieht als kreativer Kopf des Online-Magazins mit besonderem Geschick die Fäden, sobald es rund um PR und Marketing geht. Wenn sich Journalisten bei Juvigo melden, bildet sie die sympathisch-aufgeweckte Stimme hinter dem Team - und das aus erfahrener Überzeugung! Als Kind war Romie das ein oder andere Mal in den Reiterferien, ihr Herz gehört aber dennoch bis heute den Action-Camps, obwohl sie früher Neptunfeste als ihren Erzfeind auserkoren hatte. Stattdessen standen Nachtwanderungen und Schnipseljagden auf dem Lieblingsprogramm! Heute vertreibt sich Romie ihre Freizeit mit Nähen, Radfahren und dem Backen köstlicher Spezialitäten. Außerdem unternimmt sie viel mit Familie und Freunden.

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