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Von der Sprachreise zum Schüleraustausch

Im Interview mit Volker Dankers

Du warst auf einer Sprachreise und hast nun Lust auf mehr – einen Schüleraustausch? Dafür bieten sich dir unterschiedliche Möglichkeiten. Zum Beispiel ein internationales High School Programm, also „Schule im Ausland“. Dazu führten wir ein Interview mit Volker Dankers. Er ist Austauschexperte und Mitglied im Vorstand des DFH – Deutscher Fachverband High School e. V..

Wem empfiehlst du einen Schüleraustausch?

Was für eine Frage… Natürlich jedem Jugendlichen!!! Auslandserfahrung ist für die Persönlichkeitsentwicklung sowie für den beruflichen Weg extrem hilfreich und sehr wichtig! Aber man muss natürlich bereit sein, seine Komfortzone zu Hause zu verlassen und sich auf die Spielregeln in einem anderen Land, einer anderen Familie oder einem Internat einzulassen. Entscheidende Grundvoraussetzung: Man muss es wirklich selber wollen – wenn die Eltern das wollen, reicht es nicht. Auch nicht, weil der Freund oder die Freundin auch gerade unterwegs ist. Egal, wie lange man an einem Schüleraustausch teilnehmen möchte, vor Ort muss man bereit sein, wirklich am Leben im Gastland teilzunehmen und Deutschland, Freunde und Familie auch ein bisschen loszulassen.

Wie lang sollte deiner Meinung nach ein Schüleraustausch optimalerweise sein?

Das hängt natürlich ganz von den persönlichen Möglichkeiten ab. Außerdem prägt die jeweilige Dauer des Aufenthaltes auch die jeweilige Erfahrung. Persönlich finde ich es immer noch sinnvoll, den Schritt zu wagen und sich für ein ganzes Schuljahr zu entscheiden. Dann hat man einfach das ganze Jahr im Gastland mit erlebt und sich selbst auch genügend Zeit für Ups und Downs und echtes Einleben gegeben. Aber wer sich für einen kürzeren Aufenthalt entscheidet, geht anders an die Sache heran und zieht aus diesem Blickwinkel genauso viel aus der Zeit vor Ort.

Auf jeden Fall bin ich der Meinung, dass es besser ist, auch nur mal kurz (vielleicht ja dafür öfter) eine Austauscherfahrung zu machen, als gar nicht loszufahren. Bei meinen Vorträgen betone ich immer wieder: Alles, was über einen „All Inklusive Urlaub“ hinausgeht und direkte Kontakte mit den Menschen im Zielland ermöglichst, ist sinnvoll. Hauptsache ist doch über den Tellerrand zu gucken und mit Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen! Möglich sind auch Kurzprogramme, wie zum Beispiel ab einen Monat zur High School in den USA oder Kanada oder für drei Monate (Term Programm) nach England, Irland, Neuseeland oder Australien.

Ab welchem Alter ist ein Schüleraustausch möglich?

Das hängt zum einen vom Programm bzw. vom Zielland ab, für das man sich entscheidet, und natürlich von der persönlichen Reife bzw. Wünschen. Die meisten öffentlichen Schulen akzeptieren Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren, in einigen Ländern oder Programmen ist die Teilnahme schon ab 14 Jahren möglich. 

Was ist der Mehrwert einer solchen Auslandserfahrung?

Vor allem: Die ganz persönlichen Erfahrungen mit sich selbst. Ich trau mich das, ich schaffe es, auch mal eine schwierige Situation weit weg von meinen Eltern auszuhalten oder zu lösen – wie Heimweh, neue Freunde finden, mich an die anderen Regeln im Gastland anpassen, einen Vortrag über Deutschland auf Englisch im Kirchenkreis zu halten. Alles Dinge, an denen man wächst. Sprachkenntnisse, kulturelles Wissen, internationale Freundschaften und vieles mehr kommen sowieso noch oben drauf.

Wie organisiere ich einen Schüleraustausch?

Nun, hier stellt sich Eltern und Schüler oft die Frage, ob auf eigene Faust oder mit Unterstützung eines professionellen Veranstalters. Ich empfehle in jedem Fall die Beratung, Vorbereitung und letztlich die Begleitung durch renommierte, erfahrene Profis! So können mögliche Fehlentscheidungen bei der Wahl eines Programmes vermieden werden. Professionelle Vorbereitung von Schülern (und Eltern!), Betreuung und pädagogische Begleitung vor Ort sind sichergestellt. Einen ersten Überblick gibt gegebenenfalls ein Besuch einer der bundesweiten Fachmessen wie beispielweise die „JUBI – Die Jugendbildungsmesse“ der Organisation Weltweiser oder „Auf in die Welt“ der Deutschen Stiftung Völkerverständigung. Auch empfiehlt sich ein intensiver Blick auf die strengen Richtlinien des DFH zu Qualität und Leistungen, zu finden auf der Website des Fachverbands.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um an einem Austauschprogramm teilzunehmen?

Je nach Programm muss man die jeweiligen Altersvoraussetzungen erfüllen, also etwa zwischen 14 und 18 Jahren alt sein, „gern“ zur Schule gehen und mindestens mittelprächtige Schulnoten vorweisen (egal von welcher Schulart). Damit soll man zeigen, dass man auch im Gastland mit Engagement zur Schule gehen will. Offenheit und die Bereitschaft, sich an das Leben im Gastland anzupassen und die Regeln vor Ort zu respektieren, gehören dazu und natürlich, dass man dem auch psychisch gewachsen ist. Ganz spezielle Ernährungswünsche oder Allergien können zu Herausforderungen führen, sind aber in der Regel lösbar. Im Großen und Ganzen muss man also ein ganz normaler Jugendlicher sein mit viel Neugier Neues kennenlernen zu wollen.

Bedeutet „Austausch“, dass ebenfalls ein Austauschschüler in meine Familie kommt? 

Solche Programme mit direktem Austausch gibt es heute nur noch ganz selten – in der Regel nur noch in Schulen. Heutzutage fährt man in sein Gastland und lebt in seiner Familie bzw. im Internat, wenn man möchte, ohne dass während der Zeit oder danach ein anderer Schüler aus dem Land aufgenommen werden muss. Natürlich wäre es für den internationalen Austausch sehr förderlich, wenn jede deutsche Familie, bei der ein Zimmer oder Bett frei ist, weil das eigene Kind im Ausland ist, dafür einen Austauschschüler aus einem anderen Land aufnehmen würde. Das hilft oft auch dabei nachzuvollziehen, wie es dem eigenen Kind mit dem Austausch so ergeht. Aber Bedingung ist dies nicht. 

Leider müssen wir diesbezüglich aber festhalten, dass es immer wieder sehr verwunderlich ist, wie viele Eltern sich für ihren Sohn oder Tochter die Aufnahme bei einer netten, superengagierten Gastfamilie im Ausland wünschen, es aber den deutschen Organisationen unglaublich schwer fällt, auch umgekehrt die Herzen deutscher Familien zu einer Aufnahme eines ausländischen Schülers zu erweichen. Hier herrscht leider ein extrem großes Missverhältnis: „Deutsche schicken gern – aufnehmen tun sie aber lieber nicht“.

„Dies ist ein Appell an all die netten, tollen Familien in Deutschland doch mal über ihren Schatten zu springen und „Haus, Herz und Kühlschrank“ zu öffnen.“

Volker Dankers

Welche Chancen und Risiken muss man gegeneinander abwägen?

Schon aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen, der meiner Familie und weil ich schon über dreißig Jahre im Jugendaustausch tätig bin, überwiegen für mich ganz klar die Chancen: Das wahre Leben in einem anderen Land zu erleben, nicht nur nah dran zu sein, sondern mittendrin zu leben, das ist schon eine einzigartige Chance, die man später im Leben so meist nicht mehr bekommt. Dazu kommt, dass man die Sprache meist perfekt lernt und ganz oft Freundschaften mit Menschen aus aller Welt schließt. 

Aber der größte Gewinn ist genau das, was manchmal schwer ist: Herausforderungen annehmen und bestehen, sich anpassen müssen, flexibel sein, sich auch mal selbst und seinen deutschen Blick in Frage stellen. Das macht selbstbewusster, selbständiger und vor allem offen für Neues. Folgen können zwar sein, dass die besten alten Freunde nach dem Aufenthalt nicht mehr ganz so toll wirken oder dass man vielleicht doch ein Schuljahr wiederholen muss. Aber nach dem Aufenthalt sehen unsere Schülerinnen und Schüler dies meist ganz entspannt und als Zugewinn. Um ein sportliches Bild zu bemühen: Vom jeweilig ganz persönlichen Spurt und Weitsprung in der Persönlichkeitsentwicklung brauchen wir erst gar nicht reden! 

Was sollte eine gute Austauschorganisation erfüllen bzw. worauf sollten Eltern und Schüler achten? 

Gern wird vergessen, wie wichtig Vorbereitung und Betreuung ist. Gute Veranstalter scheuen sich nicht, klar über Ängste und Sorgen, über realistische und auch über unrealistische Chancen und Erwartungen zu sprechen. Es geht um ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen den Wünschen und Zielen des Schülers und den objektiv wirklich gegebenen Möglichkeiten. Und  – last but not least – „unterwirft“ sich der Veranstalter den Qualitätsstandards eines nationalen Fachverbands, wie dem DFH – Deutscher Fachverband High School e. V.. Vor allem verfügen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über profunde Fachkenntnisse der jeweiligen Programmangebote. Der billigste Anbieter wird nicht zwangsläufig der beste sein! Also, nochmals: Sehr wichtig ist, dass eine gute, fundierte und ehrliche Beratung in Deutschland stattfindet – daran erkennt man meiner Meinung nach einen guten Partner für dieses doch sensible Projekt!

Wo ist man während eines High School Programms untergebracht?

Die meisten Schülerinnen und Schüler entscheiden sich für die Unterbringung in einer Gastfamilie. Das heißt, dass man wie zu Hause Kind in der Familie ist und z.B. wie eventuelle Kinder der Gastfamilie wohnt. Man teilt das Leben der Familie mit allen Rechten und Pflichten, die das Familienleben so mit sich bringen. Wie die Familien genau aussehen, ist genauso unterschiedlich (oder landestypisch) wie bei uns in Deutschland auch. Selbstverständlich kann man von allen Familien aus die Schule besuchen. Wer sich für eine Internatsunterbringung entscheidet, wählt in der Regel die Schule aus und hat dann auch eine konkrete Vorstellung von der Unterbringung.

Welche Kosten kommen auf mich zu? 

Leider sind die Kosten oft ein Schock für Interessierte. Je nach Programm liegen die Kosten zwischen 5.000 Euro bis weit über 40.000 Euro für Privatschulprogramme. Ein Beispiel: Für ein Schuljahr in den USA investiert eine Familie aktuell (ca. Schuljahreskosten inkl. Taschengeld geteilt durch 10 Monate Aufenthaltsdauer) ca. 1.250 Euro pro Monat. Ja, das ist eine stolze Summe, aber bitte erstmal Ruhe bewahren, einen genaueren Blick werfen und sich mal alle Optionen in Ruhe angucken. Das Kindergeld läuft weiter, die üblichen „Unterhaltungskosten“ hier werden eingespart und quasi über das Taschengeld ins „Ausland“ verschoben. 

Gibt es Stipendien?

Ja, es gibt diverse Möglichkeiten. Eine fantastische Chance ist das „Parlamentarische Patenschafts-Programm“, kurz PPP, des Deutschen Bundestages und US Kongress. Infos hierzu über die Bundestagsverwaltung bzw. den lokalen Bundestagsabgeordneten.

Oder das alljährliche Stipendienprogramm des Deutschen Fachverbands High School e. V., der über seine Mitgliedsorganisationen pro Jahr über 40 Teilstipendien vergibt.

Außerdem die Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG), wonach Schülerinnen und Schülern monatlich – je nach Einkommen der Eltern – über 500 Euro zustehen.

Lieber Volker, ganz herzlichen Dank für das Interview!

Sehr, sehr gern! Ich freue mich schon auf die nächste Generation von neugierigen „Weltentdeckern“! 


Volker Dankers ist Mitglied der Geschäftsführung von Xplore Sprachreisen & Highschool Programmen und vielen auch bekannt als Austauschexperte, Autor und Speaker. Der Vater von zwei Kindern hat selbst in England, den USA sowie in Südafrika gelebt bzw. gearbeitet und ist seit über 30 Jahren im internationalen Kulturaustausch verwurzelt. Außerdem ist er Vorstandsmitglied vom „DFH – Deutscher Fachverband High School e.V.“ sowie im Fachbeirat der Xplore Foundation, einer gemeinnützigen Gesellschaft für Kulturaustausch mit Sitz in Hamburg, engagiert.

Porträt Volker Dankers

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Romie
Romie

Romie zieht als kreativer Kopf des Online-Magazins mit besonderem Geschick die Fäden, sobald es rund um PR und Marketing geht. Wenn sich Journalisten bei Juvigo melden, bildet sie die sympathisch-aufgeweckte Stimme hinter dem Team - und das aus erfahrener Überzeugung! Als Kind war Romie das ein oder andere Mal in den Reiterferien, ihr Herz gehört aber dennoch bis heute den Action-Camps, obwohl sie früher Neptunfeste als ihren Erzfeind auserkoren hatte. Stattdessen standen Nachtwanderungen und Schnipseljagden auf dem Lieblingsprogramm! Heute vertreibt sich Romie ihre Freizeit mit Nähen, Radfahren und dem Backen köstlicher Spezialitäten. Außerdem unternimmt sie viel mit Familie und Freunden.

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